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In den kommenden Zeilen möchte ich dich mitnehmen auf unsere Reise durch die Höhen und Tiefen einer künstlichen Befruchtung. Von den ersten Gedanken bis zum Ergebnis erkläre ich dir den Ablauf und teile meine Gedanken und Gefühle bei jedem Schritt. Es ist ein sehr persönlicher Weg, geprägt von Hoffnungen, Ängsten und unzähligen Fragen, auf die es oft keine klaren Antworten gibt. Vielleicht kann dir mein Einblick Orientierung geben, vielleicht findest du dich in manchen Momenten auch wieder. Doch in jedem Fall hoffe ich, dass meine Worte dir zeigen, dass du mit deinen Gedanken und Gefühlen nie alleine bist.

Die Entscheidung: Zwischen Herz und Verstand

Nach fünf Jahren Kinderwunsch, drei Fehlgeburten, verschiedensten Behandlungen, vielen Höhen und Tiefen und einem gescheiterten Transfer im Krankenhaus von Bruneck, war es uns wichtig, noch eine weitere Meinung einzuholen, bevor wir den nächsten Versuch einer künstlichen Befruchtung wagen wollten. 

Dafür wandten wir uns an die Private Kinderwunsch-Clinic Dr. Zech in Innsbruck. 

Nachdem einige Untersuchungen bei uns beiden durchgeführt wurden, die auch ein gutes Ergebnis zeigten, erhielten wir nach circa 6 Monaten schließlich das Okay, es noch einmal mit der künstlichen Befruchtung zu versuchen.

Nun standen wir wieder vor der Entscheidung: Gehen wir dafür nach Innsbruck oder versuchen wir es noch einmal in Bruneck?

Viele Dinge sind mir dabei durch den Kopf gegangen, immer begleitet von der Angst, auch wirklich die richtige Entscheidung zu treffen. 

Am greifbarsten war der große Preisunterschied, auch wenn dieser natürlich trotzdem noch erheblich schwanken kann. Während in Bruneck etwa 600 Euro anfallen würden, wären es in Innsbruck vermutlich etwa 8000 Euro – ein doch sehr großer Unterschied.

Viel schwieriger war es jedoch, den eigentlich wichtigsten Faktor einzuschätzen: Wären unsere Chancen auf einen positiven Verlauf in Innsbruck höher als in Bruneck? 

Also führten wir ein Aufklärungsgespräch in Innsbruck, ließen uns den Ablauf dort genau erklären und versuchten ein paar Erfahrungen von anderen zu erhalten. Eine Antwort zu finden, fiel trotzdem unheimlich schwer.

Dann waren da natürlich auch noch andere Gedanken, die mich immer wieder beschäftigten: Haben sie in Innsbruck bessere medizinische Möglichkeiten? Welchen Unterschied machen diese Möglichkeiten in unserem Fall? Ist der Aufwand und damit der potentielle Stress höher, wenn wir uns für die eine oder die andere Klinik entscheiden? Wie wichtig ist uns die sehr viel persönlichere Betreuung in Innsbruck und welchen Einfluss könnte das auf uns haben? Antworten auf diese Fragen sind im Vorfeld oft kaum zu finden, und noch dazu sehr individuell. 

Ausschlaggebend war bei uns deshalb vor allem unser Bauchgefühl. Doch auch die Kosten haben die Entscheidung auf jeden Fall mit beeinflusst. Einmal wollen wir es noch im Krankenhaus von Bruneck probieren. Sollte es nicht funktionieren, werden wir neu entscheiden müssen, wenn es soweit ist. Doch die Option, später erneut nach Innsbruck zu gehen, um dort einen Versuch zu starten, wird uns vorerst bleiben.

Die Vorbereitung: Ein neuer Versuch nimmt Gestalt an

Das vorbereitende Gespräch im Zentrum für Reproduktionsmedizin des Krankenhauses in Bruneck hatten wir bereits im Dezember 2024. Damals sind wir so verblieben, dass wir uns melden würden, sobald wir bereit sind zu starten. 

Ich sollte rechtzeitig anrufen, damit genug Zeit bleibt, alles vorzubereiten, um dann möglichst im nächsten Zyklus starten zu können. Das war dann schließlich Ende April 2025 der Fall – kurz vor unserer (hoffentlich) abschließenden Untersuchung in Innsbruck.

Ein letztes Spermiogramm stand dort noch aus: ist es gut, wollten wir starten, ist es nicht gut, wussten wir auch nicht, wie es weiter geht. Was wir aber wussten, war, dass wir nicht noch einen Monat „verlieren“ wollten, weshalb wir die Vorbereitung in Bruneck in Absprache mit der Abteilung trotzdem bereits begannen. 

Ob das Spermiogramm tatsächlich besser werden könnte, war allerdings vollkommen ungewiss. Laut Vermutung des Arztes könnte eine stressbedingte Darmerkrankung der Grund für die verschlechterten Werte sein, wofür mein Mann nun seit einigen Wochen ein Aufbaupräparat einnahm. 

Mein Mann war guter Dinge. Ich selbst konnte mir nicht vorstellen, dass dieses Präparat nach all den Monaten und inzwischen sogar Jahren seiner Probleme und nach allem, was er bereits probiert hatte, nun plötzlich die goldene Lösung sein sollte. 

Und ein wenig wollte ich mich sicher auch vor der drohenden Enttäuschung schützen (als würde das jemals funktionieren …).

Und doch, mein Mann sollte zum Glück recht behalten – das Spermiogramm war super und wir erhielten auch von der Kinderwunschklinik in Innsbruck die Empfehlung, es im nächsten Zyklus erneut mit einer künstlichen Befruchtung zu probieren.


„Ein wenig wollte ich mich sicher auch vor der drohenden Enttäuschung schützen …“


Benötigt wurden dafür in Bruneck neue Einwilligungserklärungen von uns (6 Monate gültig), neue Blutproben für Infektionskrankheiten von uns beiden (3 Monate gültig), ein neues Spermiogramm meines Mannes sowie aktuelle Hormonwerte von mir (1 Jahr gültig, am 2./3. Zyklustag zu machen).

Die Einwilligungen waren schnell unterschrieben, mein Mann machte seine Blutproben und auch das Spermiogramm konnten wir ihnen nun direkt schicken. Für mich hatten wir telefonisch verabredet, dass alle Blutproben am Tag der ersten Ultraschalluntersuchung im neuen Zyklus gemacht werden würden.

Und dann wartete ich vergebens auf das neue Stimulationsprotokoll, um die notwendigen Medikamente zu besorgen. 

Als ich schließlich nachfragte, stellte sich heraus, dass die Schwestern auf meine Ergebnisse der Blutuntersuchungen warteten, damit die Ärzte auf deren Basis ein neues Protokoll erstellen konnten – ein klassisches Missverständnis also, was mich bis dahin allerdings schon einige Sorgen und zahlreiche Grübeleien gekostet hatte.

Die Ärzte willigten schließlich ein, das neue Stimulationsprotokoll auf Basis all der vergangenen Protokolle zu erstellen. 

Dieses Mal war es komplett anders, als bei den vergangenen Versuchen, was bei mir einige Fragen und Unsicherheiten auslöste. Doch wie schon manches Mal zuvor, haben mir die Schwestern wieder alles sehr lieb und geduldig erklärt, und konnten mir so ein wenig Sicherheit und Ruhe schenken. 

Auch wenn in diesem ganzen Prozess, vieles vermeintlich eindeutig erscheint und man sich manchmal kaum traut, nachzufragen, ist es doch so wertvoll, sich in dieser anonymen, schnellen und streng getakteten Krankenhauswelt, ab und zu gehalten und aufgefangen zu fühlen.

Per E-Mail erhielten wir alle Verschreibungen für die notwendigen Medikamente, die teilweise im Vorfeld in der Apotheke zu bestellen und abzuholen sind. Da so eine künstliche Befruchtung leider immer wieder Überraschungen bereithält, habe ich mir allerdings zunächst nur die Medikamente geholt, die ich auch gleich am Anfang benötigen würde.

Und jetzt hieß es erstmal Warten auf den Beginn der neuen Periode …

Und währenddessen mit all den Gedanken, Unsicherheiten und Ängsten fertig werden.

Haben wir die richtige Entscheidung getroffen? Schlagen die Medikamente dieses Mal an? Werden wir überhaupt so weit kommen, dass wir die Eizellen entnehmen können? Und werden wir dann überhaupt eine „gute“ Eizelle bekommen? Dazu die Angst vor den Medikamenten und dem, was sie vielleicht auslösen können. Die Angst vor all den Emotionen, vor den Ängsten. Die Unsicherheit, die bei jedem einzelnen Schritt mitschwingt. Nicht zu wissen, wie es weiter geht. Der Gedanke „Was, wenn es nicht klappt?“. Und die ewige Angst „Was, wenn es nie klappt …?“.

Der erste Zyklustag: Wenn der Körper den Takt vorgibt

In den Tagen vor Beginn der neuen Periode kreisen meine Gedanken unentwegt: Wann wird es wohl soweit sein? Trifft es genau das Wochenende? Würde ich dann jemanden erreichen? Werde ich den geplanten Ausflug mit meiner Mama machen können, auf den ich mich schon so sehr freue?

Ich rechne hin und her, ich stelle Vermutungen an, kreiere mögliche Szenarien in meinem Kopf – und doch bleibt alles ungewiss.

Während ich schließlich bereits auf unserem Ausflug unterwegs bin, spüre ich die ersten Anzeichen. Die Temperatur ist ebenfalls gesunken, jetzt dauert es nicht mehr lang. Irgendwie bin ich dieses Mal gefasster und ruhiger als sonst, habe mehr Vertrauen und bin bewusster.

Am Sonntagmorgen ist es dann soweit: der erste Zyklustag ist da!

Sofort schreibe ich eine E-Mail an die Kinderwunschambulanz in Bruneck und warte auf den Rückruf. Der kommt allerdings erst am Montag und mit ihm die Nachricht, dass sie so sehr ausgebucht sind, dass sie mich erst am Mittwoch, also am 4. Zyklustag, unterbringen können (normalerweise wird der erste Ultraschalltermin am zweiten oder dritten Zyklustag durchgeführt).

Die Schwester am Telefon ist unheimlich bemüht, und ruft parallel beim Labor und bei der Anästhesie an, um alle Termine für mich zu koordinieren. Währenddessen steigen in mir die Fragen auf: Meine Schleimhaut ist so dünn, der Eisprung kommt oft früh … Ist es sicher okay, wenn wir so spät beginnen? Doch sie beruhigt mich und ich darf wieder einmal vertrauen.


„Und dann ist da noch die ewige Angst:
Was, wenn es nie klappt …?“


Trotzdem arbeitet die Anspannung unter der Oberfläche weiter. Nach dem Telefonat greife ich zur Handpan, um ein wenig zur Ruhe zu kommen, und lasse mich von den Tönen tragen. Die Tränen fließen plötzlich von ganz allein. Woher sie kommen, weiß ich nicht genau. Vielleicht aus der tiefen Angst, vielleicht aus der Erschöpfung der letzten Wochen. In den letzten Jahren ist die Anspannung oft eine stille Begleiterin in mir …

Umso mehr versuche ich meinem Körper jetzt all das zu geben, was ihm guttut. Ich spiele Handpan, um in die Entspannung zu finden. Ich beginne wieder mit dem Moxen, reibe meinen Bauch mit Rosenöl ein, verbinde mich in Gedanken mit unserem Wunsch, mit unserem Baby. 

Ich versuche, dem Vertrauen mehr Raum zu geben, zu akzeptieren, was ist. Es wird alles genau so kommen, wie es kommen soll. Auch die Dankbarkeit darf jetzt besonders viel Raum bekommen, für all das Schöne, was bereits in unserem Leben ist. Ich merke, wie ich die Situation immer mehr annehme – und doch will ich nichts unversucht lassen. Ein winziges Gefühl der Kontrolle, in einer sonst so unkontrollierbaren Situation.

Zyklustag 4: Erste Antworten, neue Unsicherheit

Noch am Abend vor unserem ersten Ultraschall bin ich gefasst und ruhig, spüre keine Ängste oder Sorgen. Die Unterlagen sind alle gut vorbereitet, die Handtasche ist gepackt, morgen früh geht alles los!

Am Morgen klingelt der Wecker dann bereits früh. Um 7:30 Uhr müssen wir im Krankenhaus von Bruneck sein. Eine Stunde Fahrt müssen wir immer einplanen und vorher dürfen wir uns noch um unseren Hund kümmern. 

Unter der Dusche merke ich bereits, wie meine Gedanken zu kreisen beginnen. Haben wir die richtige Entscheidung getroffen? Wären wir in Innsbruck doch besser aufgehoben? Ist es wirklich okay, dass heute schon der vierte Zyklustag ist? 

Die innere Unruhe und Anspannung kommt nun doch aus ihrem Versteck. Aber ich ertappe mich und kann mir einen Moment der Ruhe nehmen, um mein Gedankenkarussell und meine Anspannung ein wenig zu bändigen.

Im Krankenhaus läuft dann alles nach Plan. Erst geht es zur Blutabnahme, wo sie heute ziemlich viele Röhrchen füllen dürfen. Danach geht es direkt zum Anästhesie-Gespräch, das in aller Kürze abgehandelt ist. Was wird bei Ihnen gemacht? Eine Eizellentnahme? Hatten Sie so etwas schon einmal? Ja. Haben Sie alles gut vertragen? Ja. Okay, dann wissen Sie ja schon Bescheid, wir machen alles wieder genauso. Und schon bin ich wieder draußen.

Bis zum Ultraschalltermin haben wir jetzt noch ein wenig Zeit und da ich für die Blutproben nüchtern sein musste, gehen wir für ein kleines Frühstück ins Café. Anschließend in der Kinderwunschambulanz bin ich im Wartezimmer recht ruhig. So manches Mal haben mich die Nervosität und Anspannung hier schon komplett eingenommen. 

Heute geht es recht schnell, wir müssen nicht lange warten. In dem kleinen Zimmer warten bereits vier Personen auf uns, was im ersten Moment etwas überwältigend ist. Erleichterung kommt auf, denn eine von ihnen ist die Ärztin, die wir bereits kennen und bei der wir uns beim letzten Mal sehr wohl gefühlt hatten. 

Ohne viel Drumherum beginnen wir gleich mit dem Ultraschall, um zu sehen, ob wir mit der Stimulation beginnen können. Soweit sieht alles gut aus, doch ein Follikel ist schon ziemlich groß, was uns in diesem Zyklus eventuell einen Strich durch die Rechnung machen könnte.

Alles ist jetzt abhängig vom Östradiolwert, den wir am Nachmittag erhalten sollten.

Daraufhin entscheidet sich, ob wir heute beginnen können oder auf den nächsten Zyklus warten müssen. Ein paar Fragen zu den Medikamenten werde ich sicherheitshalber dennoch los, sodass ich mich, falls es doch noch losgehen kann, zumindest gut vorbereitet fühle.

Wie fühle ich mich jetzt? Ich weiß es nicht genau … 

Einerseits habe ich Hoffnung, dass es noch klappt, andererseits fühle ich mich teilweise sogar etwas erleichtert, „nochmal davon gekommen zu sein“, da der ganze Prozess doch ziemlich viel mit sich bringt, und dann ist da auch noch der Teil in mir, der sagt „deshalb warst du dieses Mal so viel ruhiger, jetzt weißt du es“. Dazu kommen natürlich auch gleich wieder die Ängste … kriegen wir es im nächsten Zyklus überhaupt hin? Würde es zeitlich irgendwie klappen? 

Zum Glück kann ich mich inzwischen einigermaßen gut aus diesen Spiralen herausholen. Ändern kann ich ohnehin nichts. Es kommt wie es kommt. Und irgendwie werden wir dann auch damit umgehen.

Das entscheidende Telefonat

Was wir bereits befürchtet hatten, hat sich bestätigt … in diesem Zyklus können wir nicht weiter machen, der Östradiolwert ist bereits zu hoch.

Wieder geht es also nicht weiter. Wir sollen uns im nächsten Zyklus melden. Und ja, dann klappt es hoffentlich, dass wir früher kommen können. Wer weiß, wofür es gut ist. Aber dennoch ist die Enttäuschung sehr groß. 

Für den Moment fühle ich mich leer, machtlos, bezwungen … wieder einen Kampf verloren, wieder ein Rückschlag, wieder eine Enttäuschung. Wird es überhaupt noch klappen? Haben wir noch eine Chance? Auch die Tränen bleiben natürlich nicht aus … sie dürfen sein, es tut gut, die schweren Gefühle rauszulassen.

Und dann ist da zum Glück auch noch die andere Stimme … „Wer weiß, wofür es gut ist…“ wiederholt sie immer wieder. „Du wirst sehen, alles kommt so, wie es kommen soll. Alles wird gut werden. Hab Vertrauen.“ Und diese Stimme tut gerade sehr gut. 

Vielleicht war der Zeitpunkt wirklich nicht ideal. Vielleicht kann ich meinen Körper noch besser vorbereiten. Und noch ein Gedanke kommt, den ich mich fast nicht traue zu denken, geschweige denn aufzuschreiben und zu teilen. Aber er macht mir Mut, schenkt mir Hoffnung, gibt mir Halt. Ob er wahr ist, spielt keine Rolle. Das er mir jetzt Kraft schenkt, ist alles, was zählt: „Vielleicht schaffen wir es ja doch irgendwie allein …“


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