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von Petra

Als ich mir vor vielen Jahren ein Kind wünschte, dachte ich noch, dieser Wunsch würde sich irgendwann einfach erfüllen. Still, selbstverständlich. Ich konnte nicht ahnen, wie lang und steinig der Weg werden würde – und wie oft ich an mir selbst zweifeln sollte.

Es gab Jahre des Wartens, des Hoffens, der Erklärungen, die keine Antworten waren. Jahre, in denen ich mir anhören musste, es liege vielleicht an meiner Psyche, an Stress, an irgendetwas, das ich falsch machte. Und Jahre, in denen mein Körper mehr aushalten musste, als ich ihm je zugetraut hätte.

Ich habe Operationen erlebt, die mein Leben gefährdeten. Ich habe Unsummen an Geld ausgegeben für Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel, Wunderheiler, etc.

Ich habe Schwangerschaften verloren. Ich habe Routineeingriffe erlebt, die sich alles andere als routiniert anfühlten. Und ich habe mich oft sehr allein gefühlt – mit meiner Trauer, meiner Angst und der Frage, ob es jemals gut ausgehen würde.

Es gab viele Momente, in denen ich hätte aufgeben können. Momente, in denen ich dachte: Ich kann nicht mehr. Und trotzdem ging ich weiter. Nicht, weil ich so stark war – sondern weil Hoffnung manchmal leiser ist als Angst, aber hartnäckiger.

Ich habe gelernt, mir selbst zu vertrauen. Mir neue Meinungen zu holen. Fragen zu stellen. Grenzen zu ziehen. Und Hilfe dort anzunehmen, wo sie wirklich ehrlich war. Nicht jeder Weg ist der richtige – und nicht jeder Arzt sieht dich wirklich.

2018 durfte ich meinen Sohn in den Armen halten. Und auch danach war mein Weg noch nicht zu Ende. Ich hörte weiter auf mein Bauchgefühl, ging noch einmal meinen eigenen Weg – und im Dezember 2022 kam meine Tochter zur Welt.

Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich nicht nur Schmerz. Ich sehe Mut. Ich sehe Durchhaltevermögen. Und ich sehe, dass kein Weg „zu lang“ ist, wenn er deiner ist.

An dich, die du das hier liest und vielleicht gerade mitten im Kinderwunsch steckst:

Du bist nicht schuld. Du bist nicht zu sensibel. Und du bist nicht allein.

Es ist in Ordnung, müde zu sein. Es ist in Ordnung, Pausen zu machen. Und es ist in Ordnung, trotzdem weiter zu hoffen. Dein Weg darf anders aussehen als der der anderen. Und egal, wie er endet – du bist wertvoll. Immer.

Hinter diesen Worten steht Petras ganz persönliche Geschichte. Hier teilt sie ihre Erfahrungen noch einmal ausführlich.

Als ich 2010 mit meinem Partner zusammenkam – meinem heutigen Ehemann – war der Wunsch nach Kindern schnell da. Still, selbstverständlich, ohne Druck. Drei Jahre später fühlte sich auch er bereit, und wir begannen es zu versuchen. Rundherum wurden alle schwanger, nur ich nicht. Ich fühlte mich oft so traurig und nicht richtig.

Anfangs glaubte ich noch, es brauche einfach Zeit. Meine Frauenärztin verschrieb mir Gelbkörperhormone, mein Mann ließ sein Sperma untersuchen. Irgendwann landeten wir bei meiner Psyche. Vielleicht sei es Stress. Vielleicht Blockaden. Vielleicht ich.

Zwei Jahre vergingen. 2015 ging ich schließlich ins Krankenhaus nach Sterzing. Eine Ärztin sagte mir nach kurzer Untersuchung sehr direkt, dass sie sich sicher sei: Endometriose. Innerhalb von drei Tagen bekam ich einen OP-Termin – ein Routineeingriff, wie man mir sagte, spontan war ein Platz frei geworden.

Doch diese Operation war alles andere als Routine. Statt einer halben Stunde dauerte sie drei Stunden. Ich durfte nicht am selben Tag nach Hause, sondern musste über Nacht bleiben. Am nächsten Tag wurde ich entlassen.

Am darauffolgenden Morgen wachte ich mit fürchterlichen Bauchschmerzen auf. Schmerzen, wie ich sie noch nie erlebt hatte. Mein Mann rief den Notarzt – er sagte später, so habe er mich noch nie gesehen. Ich bin eigentlich nicht wehleidig.

Im Krankenhaus in Brixen war die Stimmung angespannt. Ich wollte nicht bleiben, wollte zurück nach Sterzing, dorthin, wo ich operiert worden war. Also brachte man mich dorthin. Voller Schmerzen wartete ich bis 15 Uhr nachmittags auf ein MRT.

Das Ergebnis: ein Loch im Darm. Notoperation.

Zwei Wochen verbrachte ich im Krankenhaus. Ich war knapp am Tod vorbei. Und all das wegen einer Operation, die mir eigentlich helfen sollte, ein Kind zu bekommen.

Nach diesem Erlebnis wandte ich mich an das Kinderwunschzentrum in Bruneck. Nach einem halben Jahr Wartezeit bekam ich einen Termin. Ende 2015 hatte ich meine erste künstliche Befruchtung.

2016 wurde ich schwanger. Und verlor das Kind.

In der 11. Woche schlug das Herz nicht mehr. Mir wurde das fast beiläufig gesagt, nüchtern, ohne Raum für Gefühle. Trotz Terminengpässen im Krankenhaus wurde sofort für den nächsten Tag eine Ausschabung geplant.

Traurig, aber gefasst ging ich ins Krankenhaus. Ein Zäpfchen sollte den Embryo lösen. Die Schmerzen wurden immer stärker. Fünfzehn Mal wurde ich gestochen, bis endlich eine Vene für das Schmerzmittel gefunden wurde.

Nach der Operation – auch sie galt als Routine – durfte ich wieder nicht nach Hause. Die Schmerzen waren weiterhin da. Irgendwann bekam ich etwas so Starkes, dass ich bis zum nächsten Morgen tief und fest schlief.

Weitere künstliche Befruchtungen blieben erfolglos.

Schließlich wandte ich mich an ein privates Kinderwunschzentrum in Innsbruck. Dort nahm man sich Zeit. Der Arzt stellte fest, dass der Embryo nicht richtig versorgt werden konnte – die Blutversorgung brach immer wieder ab.

Er empfahl mir, mich von einem Arzt untersuchen zu lassen, der sowohl Chirurg als auch Frauenarzt war: Dr. Abendstein. Ich ließ in Feldkirch – privat – eine Endoskopie machen. Das Ergebnis: meine Eileiter waren verstopft. Sie wurden entfernt.

Der Arzt sagte mir danach, dass ich nun wieder meine Eizellen für die künstliche Befruchtung in Bruneck verwenden könne.

Im Oktober 2018 kam mein Sohn zur Welt.

Doch mein Weg war damit noch nicht zu Ende.

Zwischendurch kam es zu einem Rechtsstreit mit der Südtiroler Sanität. Der damalige Leiter der Gynäkologie hatte zu mir gesagt, wenn ich seine Frau wäre, würde er mich nicht operieren. Er sei sich sicher, dass ich auf natürlichem Weg schwanger werden könne – nach fast fünf Jahren des Versuchens!!

Wir reichten Rekurs ein, forderten das Geld zurück – und bekamen Recht.

Trotzdem spürte ich, dass mein Körper noch immer nicht zur Ruhe gekommen war. Also ging ich erneut auf eigene Faust zu Dr. Abendstein. Er operierte mich ein weiteres Mal.

Im Dezember 2022 kam dann Annika zur Welt.

Zwei Kinder. Zwei Wunder. Und ein Weg, der geprägt war von Schmerz, Angst, Zweifel – aber auch von unerschütterlicher Hoffnung.

Manchmal bin ich erschöpft von den ganzen Strapazen. Ich ärgere mich, warum ich nicht früher zu mehreren Ärzten gegangen bin. Mit Ende 30 Mutter von 2 kleinen Kindern zu sein, ist nicht leichter als mit Mitte 20. Ich bin müder, ich bin nicht mehr so geduldig und ich muss aufpassen, bei wem ich mich über meine Kinder beschwere, denn ich habe sie mir ja so sehr gewünscht.

Heute weiß ich: Dieser Weg hat mich verändert. Er hat mich stärker gemacht, als ich je gedacht hätte. Und er hat mir gezeigt, dass man manchmal unendlich lange kämpfen muss, um genau dort anzukommen, wo man von Anfang an sein wollte. 

Es hat mir auch gezeigt, wie stark die Beziehung zu meinem Mann ist, denn wir waren nicht immer derselben Meinung und jeder hat den Verlust, den Schmerz anders erlebt. Aber das ist ganz normal und soll kein Grund für eine Trennung sein, denn gegenseitiges Verständnis gehört immer dazu.

Passend zu ihrem Weg möchte Petra dieses Lied mit uns teilen
und uns damit ermutigen, uns selbst und unserem Leben wieder mehr zu vertrauen:
Ute Ullrich – „Vertrau“


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